Buddhismus und Psychotherapie: eine Frage der Aufmerksamkeit. Berlin, 1998

Wochenendseminar, Berlin, 7-8 November 1998

James Low

Übersetzt von Stephan Schneider
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Unser Thema ist „Buddhismus und Psychotherapie“. Mit einem besonderen Bezug zu der zentralen Frage: „Was verstehen wir unter Leiden und den Gründen, warum Menschen leiden?“ Der Fokus liegt dabei in erster Linie auf dem Buddhismus. Zum einen,  was hat der Buddhismus für die Praxis der Psychotherapie zu bieten. Und zum anderen,  welche psychotherapeutischen Sichtweisen bieten sich denen von uns an, die sich mit der Praxis des Buddhismus beschäftigen.

Auszüge:
images-16In meiner Erfahrung als Therapeut besteht einer der Bereiche, in denen meditative Praxis hilfreich sein kann, darin, denjenigen, der einer Erfahrung gewahr wird, vom Fluss der Erfahrung zu trennen. Es ist so, als würde jemand am Ufer eines Flusses sitzen und das Fließen dieses Flusses beobachten, ohne hineingezogen zu werden.
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Ich möchte die Frage der Aufmerksamkeit dahingehend untersuchen, wie sie in der buddhistischen Meditation praktiziert wird und welche Bedeutung sie in der Psychotherapie hat.
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Wir müssen fähig sein, uns in den Dienst eines anderen zu stellen. Und ich denke, das ist es, was sich vom Buddhismus übernehmen lässt. Ein sich durch Übung entwickelndes Verständnis von Leerheit. Für den Patienten verfügbar zu sein, von ihm, wenn nötig, benutzt zu werden, idealisiert zu werden, wenn das hilfreich ist, und im nächsten Moment in einen Kloputzer verwandelt zu werden, falls auch das notwendig ist. Denn alle diese Positionen sind von Zeit zu Zeit notwendig. Auf die gleiche Weise, wie die Tantra-Meditationen in die Leerheit zurückkehren, so geschieht das auch mit der Arbeit eines Therapeuten. Gute Sitzungen zu haben, schlechte Sitzungen zu haben, positive Übertragungen, negative Übertragungen, all das kehrt zurück in die Leerheit. Es gibt eigentlich nichts weiter über die Arbeit zu sagen als: “Oh, ich hatte einen geschäftigen Tag.”
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Deshalb üben wir diese einfache Meditation. Mit offenen Augen. Und mehr noch, mit offenem Herzen … ohne irgendeine Trennung zwischen uns und der Welt aufzubauen, sondern mit einer sehr ruhigen, klar ausgerichteten Aufmerksamkeit auf den Raum, innerhalb dessen wir unser Dasein vorfinden.