Gleichheit und Verschiedenheit: buddhistisches und westliches Verständnis von Identifikation. Freiburg, 2007

James Low

Ein öffentlicher Abendvortrag von James Low
Freiburg i.Br., Deutschland
Donnerstag, 21. Juni 2007
Übersetzt von Julia Dreyer 
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Auszüge

Vom buddhistischen Standpunkt aus wird der Geist als etwas betrachtet, das nicht angefüllt werden kann, sondern als etwas, das etwas offenbart. Das traditionelle Beispiel dafür ist das Bild eines  Spiegels…
Wenn wir uns aber auf unsere eigene Erfahrung beziehen, beginnen wir die Unendlichkeit der sich uns offenbarenden integrierten Bewegung von Subjekt und Objekt zu sehen. Das bedeutet, dass die grundlegende Qualität unserer lebendigen Intelligenz, unser Gewahrsein, etwas  Nicht-Greifbares ist. Es enthält nichts Persönliches oder Privates an sich, das immer da ist, sondern es ist eher etwas potenziell Existierendes, worin sich unzählige Formen zeigen können….
Sich wiederholende negative Gedanken werden so wie ein altes Sofa – schwer zu  bewegen und zum Hineinsetzen verführend! Wir können in unsere neurotischen Glaubenssätze hineinfallen und uns ziemlich heimisch darin fühlen; du siehst dann die Welt aus dieser einen Perspektive. Natürlich passieren nebenbei noch viele andere Dinge, aber du hast nun deinen Platz und schaust auf eine bestimmte Art. Etwas Neues zu tun fühlt sich nicht so interessant an wie die Wiederholung der köstlichen Begrenzung durch diese Neurose…
Anstatt unser alltägliches Leben als etwas Stabiles, Sicheres und Verlässliches anzusehen, gelangen wir durch die Meditationspraxis dazu, unseren Geist als diese nicht-greifbare Erfahrung zu erleben, offen und leer wie der Spiegel, der immer der gleiche bleibt. In und durch diese Offenheit – dieser absolut kahlen Abwesenheit jeglichen Mobiliars – zeigt sich jedes Möbelstück, jede Bewegung, jede Geste Augenblick für Augenblick, als dies oder das, dieses oder jenes. So ist unsere Teilnahme in der Welt immer eine von Lebendigkeit geprägte. Wir betätigen keinen Autopiloten. Wir nehmen die Dinge nicht als gegeben an. Stattdessen werden wir durch die Frische unseres Kontakts mit der lebendigen Welt berührt und bewegt. Subjekt und Objekt tanzen dann unaufhörlich miteinander und erschaffen unendlich viele Muster