Immer schön langsam! UK, Wild Heart Gathering, 2010

Das Herzstück der Dzogchen Lehren

Wildheart Gathering, East Sussex, UK, September 2010.

James Low

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Transkribiert und editiert von Sarah Allen
Übersetzt von Kurt Rabitsch

Textauszüge:
Wir sind nicht der Inhalt unseres Geistes und trotzdem sind wir untrennbar vom Inhalt unseres Geistes. Der Inhalt unseres Geistes ist Erleben; er ist nicht Selbst-Definition; er ist nicht Essenz. Deshalb, wenn du schlechte Zeiten hast, definieren diese schlechten Zeiten nicht, wer du bist. Wenn du für eine Weile ein bisschen verrückt wirst, oder du fühlst dich total am Ende, oder wertlos und das Leben verliert seine Bedeutung, wenn du dich entspannen und damit sein kannst, dann geht es vorbei …
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Es ist sehr wichtig, sich nicht allzu zuständig zu fühlen. Die schwerste Strafe, die du im Leben kriegen kannst, ist zu fühlen, „das ist alles meine Aufgabe“. Das ist ein sehr trauriger und einsamer Ort. In Wirklichkeit zeigt sich unser Leben durch mit anderen sein. Unser Leben kommt zu uns; ist uns gegeben, wenn wir es willkommen heißen. Und manchmal ist das glücklich, und manchmal ist es traurig, aber es ist eine Enthüllung; es ist kein Ding, an dem du festhalten kannst. Das ist wirklich das Herzstück der Dzogchen Lehren; dass es keine Dinge gibt, da sind nur Momente unfassbaren Erlebens, die inmitten des offenen Feldes des Gewahrseins entstehen. Und je mehr wir sehen, dass wir in offener Räumlichkeit integriert sind, desto mehr sind die Momente in Ordnung, so wie sie sind.
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Sich öffnen und sehen, was da ist, ist die reinste Form der Phänomenologie. Es erlaubt der Welt zu sein, wie sie ist und erlaubt uns selbst zu sein, wie wir sind. Man könnte sagen, dass das die Basis für eine umfassende Gewaltlosigkeit ist. Obwohl das Verlangen uns selbst zu entwickeln und unsere guten Qualitäten zu verbessern eine gute
Absicht zu sein scheint, ist es in Wirklichkeit eine begrenzende Verdunkelung. Weil jedes Mal, wenn wir eine Idee davon haben, wer wir sein sollten und wir versuchen, diese Idee zu werden, was wir wirklich tun, ist uns auf Gewalttätigkeit gegenüber, wie wir jetzt sind, einzulassen. Wir sagen: „Ich bin nicht gut genug. Ich sollte anders sein. Ich wäre besser dran, wenn ich jemand anders wäre.“ Folglich beginnt unsere Hoffnung auf Verbesserung mit einem Angriff auf uns selbst, indem wir versuchen uns selbst zu verändern, ohne auch nur die Natur von dem zu sehen, den wir verändern wollen. Die Feindseligkeit dieser Einstellung verstärkt unsere dualistische Struktur: „Ich nehme eine Position gegenüber mir selbst ein, um mich selbst auf eine Art wiederherzustellen, die von anderen Leuten und mir mehr Anerkennung kriegt.“ Wir sind genauso wie eine Maus in einem Käfig, die in einem Laufrad rundherum rennt. Es gibt kein Ende für Entwicklung, weil es immer neue Ideen darüber gibt, wer wir sein sollten. Deshalb ist die Hauptsache, sich zu entspannen und zu öffnen und mit sich selbst präsent zu sein, wie man ist.
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Wir sind hier, lebendig – also nimm einfach teil an dieser unmittelbaren Gegenwart von Gewahrsein, das unser offener Grund ist, die allgegenwärtige Grundlage unseres gesamten Erlebens. Sei einfach gewahr, sei präsent in, mit und als dieses Fließen von Erleben. Beobachte wie Bewegung , eine Geste in Raum und Zeit, ein Ausdruck, oder
eine Offenbarung unfassbarer Präsenz ist. Unser offenes Potential zeigt viele Formen als ich und andere, doch keine Erscheinung definiert, wer wir sind.